Robert Kneschke: Schutzengel der deutschen Fotografen

14/03/2011, Author: istvanloerincz, Categories: Interview
Ich möchte Robert vorstellen. Eines unserer in Deutschland lebenden tollen Fotografen. Aber Robert hat noch mehr drauf. Er hat den Ruf eines “Schutzengels” und setzt sich für die Interessen von Fotografen ein. Wir haben uns der Herausforderung gestellt und haben mit Robert ein Interview geführt. Er ist einer der Personen, die sich nicht scheuen die Wahrheit zu sagen. Er zeigt knallhart Probleme und Missetaten von Bildagenturen auf. Das mögen wir aber an Robert, seine wertvolle Meinung bringt uns voran. Damit können wir Pixmac noch besser machen.

Robert, wann hast du mit Stock Fotografie angefangen und wieso?

In 2005 fing ich an, meine Bilder zu verkaufen. So konnte ich Regen und Rückenprobleme vermeiden. Fotografie war mein Hobby seit Kindestagen und in 2004, hatte ich die Idee die Kosten für die Entwicklung von Analogfotos mit dem Verkauf von meinen Bildern auszugleichen. Ich entwickelte meine besten Fotos dieser Zeit, rahmte Sie ein und schleppte dieses Bilder jedes Wochenende zu einem Kunstmarkt in Berlin. Damals war ich noch Minderjährig und hatte kein Auto, habe so 15 – 20 kg hingeschleppt.  Auch musste man auf diesem Kunstmarkt den Platz schon eine Woche vorher reservieren. Wie auch immer, das Wetter ist in Berlin unberechenbar und oft wurde es regnerisch und kalt.

Daher recherchierte ich welche andere Möglichkeiten es noch gäbe, meine Fotos zu verkaufen. Ich fand ein paar wachsende Stock Foto Agenturen, manche davon sind immer noch gute Verkaufsquellen für mich. Zum Beispiel PM und Digitalstock.

Was ist anders auf dem deutschen Markt?

Deutschland ist (hinter den USA und UK) – einer der größten Märkte für Stock Fotografie. Daher machen viele Agenturen eine deutsche Version ihrer Webseite, das ist dann angenehm für die deutschsprachigen Fotografen. Aber es kann auch ein Nachteil sein, weil sie dann nur in der Muttersprache kommunizieren wollen und die internationale Kommunikation meiden. Dieser Trend kann übersehen werden.

Ist das Blogging und Fotos schiessen dein Vollzeit Job?

Fotos schiessen ist mein Vollzeit Job, ja. Und dann blogge ich darüber in meinem Blog.

Alltag eines Fotoproduzenten

Ist 20% von meiner Arbeit, bringt mir aber nicht soviele Einnahmen. Ich mache es aus zwei Gründen: Spass, weil ich ein Journalist werden wollte als ich noch auf der Hochschule war und das Schreiben  liebe, und weil das Bloggen mich zwingt, auf dem neuesten Stand der Dinge auf dem Stock Fotografie Sektor zu sein und mich mit vielen anderen Fotografen, Modells,  Mitarbeiter oder Eigentümer von Bildagenturen in Verbindung bringt. Sie allen geben Ihre Erfahrungen gerne an mich weiter.



Was macht dich am meisten in der Stock Foto Industrie glücklich?

Ganz einfach: Ich kann machen was ich möchte.  Natürlich gibt es Grenzen damit ich die Anforderungen des Marktes erfülle und genug Einnahmen erziele um leben zu können, aber nach dem Wochenende kann mir niemand böse sein wenn ich ein bisschen länger schlafe oder spontan einen Tag freinehme um die Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Wie siehst du deine Zukunft mit der Fotografie?

Das ist schwer zu sagen da sich die Stock Foto Industrie schnell ändert. Wahrscheinlich werde ich weniger Motive auf weißem Hintergrund fotografieren und mehr lokale Arbeiten übernehmen, ich hoffe dass ich noch mehr CGI und Video Kenntnisse aneignen kann.

Wo siehst du dich nach Modells und Inspirationen um?

Die meisten meiner Modells lerne ich über eine deutsche Amateur Modell Netzwerk kennen, aber mehr und mehr Modells bewerben sich aktiv per E-Mail, weil sie meine Arbeiten auf meiner Webseite oder Blog gesehen haben. Ich durchforste Tonnen von Magazinen und Büchern, meistens lese ich es nicht aber sehe mir die visuellen Stile, Requisiten, Bekleidung, Kamerawinkel und dergleichen an. Ich versuche auch, viele Ausstellungen von jungen Künstlern, vorzugsweise der Fotografie, aber nicht ausschließlich, zu besuchen.

Hast du Agenturen gesehen, die nach deinen Vorschlägen in deinem Blog reagiert haben?

Ja, aber nicht so oft als ich gehofft habe. Pixmac hat die deutschen Geschäftsbedingungen geändert, nachdem ich auf seltsame Details hingewiesen habe. Die deutsche Polylooks Agentur hat das kleine Autorenhonorar von 8 Cent auf 35 Cent erhöht, nachdem ich mich beschwert habe. Die Agentur hat bald darauf zugemacht, dass war aber sicher nicht meine Schuld.

Übrigens fragen immer mehr Stock Foto Agenturen nach meinem Rat, vor allem bezüglich das Bildhochladen für Fotografen mit vielen Bildern. Ich habe daraufhin viele gute Änderungen gesehen, auch wenn ich nicht immer über sie in meinem Blog berichte.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften einer Bildagentur in deinen Augen?

Eine Bildagentur soll einen treuen Kundenstamm haben, in anderen Worten ausgedrückt – viele Bildverkäufe generieren! Das Hochladen einer Menge von Bildern soll mit wenigen Klicks möglich sein. Vor allem die Administration von Modell-Verträgen kann bei vielen Agenturen verbessert werden. Ich würde auch liebend gerne bessere Verkaufsstatistik Zahlen sehen, es ist immer schwierig herauszufinden wieviel ich mit einem Foto Session wie SS verdient habe. Hier arbeitet man aber schon an der Verbesserung.


Vita: Ja. Das ist definitiv eine Sache wo auch wir uns verbessern müssen! Ich habe eine ganze Liste von Dingen im Kopf und auf unserem Flipchart was wir uns genauer ansehen müssen. Ich habe ein paar Bildagenturen überprüft und es gibt auch einige gute Ideen. Aber keiner dieser Ideen ist so einfach umzusetzen. Das ist die Herausforderung!

Was soll eine neue Agentur beim Markteintritt vermeiden?

Ich weiß, es ist sehr verlockend die aktuellen Preise zu unterbieten um mehr Kunden zu gewinnen, aber das verschreckt die Fotografen und Bildautoren. Ich halte diese Lizenzgebühren fair:  50% hört sich gut an, alles unter 25% ist …

(tut mir leid, Schimpftwörter kann ich hier nicht verwenden)

Vertrauen ist ein weiterer Punkt. Eine neue Agentur hat keine nachvollziehbare Vergangenheit und keinen etablierten Namen. Daher sollen neue Agenturen alles tun, ich meine wirklich alles, um das Vertrauen der Fotografen und Kunden zu gewinnen.

Vita: Wir haben genau das gelernt.

Bevorzugst du den exklusiven Verkauf oder nicht?

Der exklusive Verkauf von Bildern kann ein große Zeitersparnis für Teilzeit Fotografen sein, Sie sind nicht auf den Einkommen aus Fotografie angewiesen. Falls aber jemand Stock Fotografie Vollzeit betreibt, so wie ich, dann ist es besser die Bilder bei mehreren Agenturen zu verkaufen, anders wäre es zu gefährlich. Der Markt ändert sich einfach zu schnell um sich steif zu verhalten.

Können wir was für dich bei Pixmac verändern oder verbessern?

Sehr wichtig ist, dass die Metadaten korrekt sind. Ich habe Bilder in meiner Pixmac Portfolio gefunden welche anderen Fotografen gehören. Ihr habt es ausgebessert, aber solche Fehler sollen niemals passieren. Niemals. Und immer transparent bleiben, wenn es um Verkäufe geht: Welche Bilder verkauft wurden, zu welchem Preis, mit oder Rabatt, direkt bei euch oder durch einen eurer Partneragenturen, usw…


Vita: Wir arbeiten daran! Danke für deine Hinweise.

Gibt es einen Ort, wo du vorstellen könntest den Rest deines Lebens zu verbringen?

Geboren bin ich in Berlin, Deutschland. Ich liebe die Stadt und würde immer zurückkehren. Zurzeit lebe ich wegen meiner Partnerin in Köln. Ein sonniger tropischen Insel mit schnellen Internetzugang natürlich – wäre auch nett. :-)

Vita: Danke Robert. Ehrlich, freue mich dass wir jetzt “endlich” fertig sind :-)

So, das waren ein paar sehr gute Punkte. Jetzt müssen wir Pixmac voranbringen, noch mehr Seriösität ans Tag zu legen. Wir werden uns bemühen alles besser zu machen. I wünsche mir dass wir uns bald auf einem tropischen Insel wiedersehen, mit schnellem Internet natürlich. ;-)





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1 Comment

  1. Guten Tag, sehr anschaulicher Artikel. Grüße aus Köln

    Casey Empson, 16/05/2011 @ 12:14

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